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Das ewige Leid mit dem HSV – Die Trainerdebatte

Gepostet von am Okt 1, 2011 in Fussballvereine, Slider

Der Hamburger SV beweist in diesen Tagen einmal mehr, dass er seinen Trainern kein leichtes Arbeitsumfeld bietet. Nach der Entlassung von Michael Oenning ist man in Hamburg verzweifelt auf der Suche nach einem Nachfolger.

Die norddeutsche Metropole und deren Traditionsverein

Der Traditionsverein aus der norddeutschen Metropole kommt einfach nicht zur Ruhe und das mag mit seiner Geschichte zu tun haben. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts war der HSV das bestimmende Team in Deutschland und überdies ein Top Klub in Europa. Seitdem versucht man mit verschiedenen Methoden, an diese erfolgreiche Zeit anzuknüpfen. Und obwohl man am Volkspark in den letzten zehn Jahren einige beachtliche Ergebnisse erzielen konnte, gibt man sich angesichts der Dominanz früherer Tage nicht einfach mit diesen zufrieden. Ein Europacup-Halbfinale oder ein vierter Platz in der Bundesliga genügen den Ansprüchen nun mal nicht. Zwar ist es einerseits löblich, wenn ein Verein ehrgeizig ist und stets nach höheren Zielen strebt – in Hamburg scheint sich aber traditionell schnell Größenwahn einzustellen, sobald eine leichte Siegesserie aufkommt und Ungeduld breit zu machen, wenn es zu einer kleineren Talfahrt kommt.

Dieses Phänomen tritt beileibe nicht nur unter den Anhängern auf, was noch legitim wäre. Auch Vorstand und Funktionäre des HSV wollten in den letzten Jahren immer wieder schnell hoch hinaus – mit Millionentransfers und großspurig angekündigten neuen Konzepten. Hinter einem solchen Konzept stand meist auch ein neuer Coach. Die Liste der verschlissenen Trainer an der Elbe ist lang und mit großen Namen gespickt: Felix Magath, Armin Veh oder Klaus Toppmöller sind nur einige von ihnen. Zuletzt mussten mit Thomas Doll, Bruno Labbadia und Michael Oenning auch drei Vertreter der jüngeren Trainerzunft vorzeitig die Segel streichen, selbst wenn sie mit durchaus beachtlichen Anfangserfolgen aufwarten konnten. Thomas Doll gelangte mit seinem damaligen Team sogar in die Champions League, stürzte im folgenden Jahr aber jäh ab. Die Doppelbelastung erwies sich als zu hoch und der HSV geriet in den Abstiegskampf. Doll musste gehen.

Der aktuelle Saisonstart und die Niederlage

Bei all den unterschiedlichen Versuchen, zurück an Deutschlands und Europas Spitze zu gelangen, wurde freilich auch viel Geld verbrannt. Wer Stars wie Ze Roberto, Ruud van Nistelrooy oder Rafael van der Vaart verpflichtet, häufig den Trainer wechselt und ein teures, hochmodernes Stadion zu unterhalten hat, wandelt stets am finanziellen Abgrund. Kein Wunder, dass vor der aktuellen Saison nun die Reißleine gezogen und der Sparkurs ausgerufen werden musste. Namhafte, teure Spieler gingen, junge, hoffnungsvolle Talente kamen. Die Integration dieser Talente und die Formung eines gänzlich neuen Teams war die Herkulesaufgabe des letzten Coachs Michael Oenning und des Sportdirektors Frank Arnesen. Doch der Saisonstart missriet völlig und wieder einmal verlor man beim HSV die Geduld. Nach der 0:1-Pleite gegen Gladbach wurde auch Oenning entlassen.

Trainerdebatte ist noch nicht beendet

Seitdem sind zwei weitere Bundesligaspiele vergangen, ohne dass der HSV bereits einen festen neuen Coach hat. Interimstrainer Rodolfo Cardoso führte das Team in der Zwischenzeit immerhin zum ersten Saisonsieg in Stuttgart und verlor daheim unglücklich gegen Schalke. Doch Cardoso scheint keine Option zu sein, denn er besitzt keine Profitrainerlizenz. Huub Stevens war ein viel gehandelter Name und sein Kommen war bereits so gut wie sicher. Dann aber gab Stevens an, noch mit Schalke sprechen zu wollen und diesen Affront nutzte Vorstandschef Jarchow, um dem Niederländer prompt eine Absage zu erteilen. Auch Morten Olsen sollte kommen und wurde dann doch verworfen, da seine zusätzliche Tätigkeit als dänischer Nationaltrainer im Wege stand. Aktuell ist nun Sergej Barbarez der heißeste Kandidat. Er ist zwar ein alter Bekannter in Hamburg, es ist jedoch fraglich, ob die anstehende Mammutaufgabe beim HSV ihn zum Beginn seiner Trainerkarriere nicht überfordern würde. Um Ruhe in Mannschaft und im Umfeld zu bekommen, sollte die Trainerdebatte jedenfalls bald beendet sein, möglichst schon nach der Länderspielpause.

Bild: Katharina HoffmannSimilar Posts: