Nach jeder Fehlentscheidung bei einem bedeutenden Fußballspiel geht die Diskussion um elektronische Hilfsmittel für die Schiedsrichter los. Die Befürworter dieser Techniken hoffen auf einen fairen Sport ohne Fehlentscheidungen, die Gegner fürchten, dass dem Sport Emotionen geraubt werden. Es gilt abzuwägen!
Möglichkeiten elektronischer Hilfsmittel
Gespräche im Zusammenhang mit elektronischen Hilfsmitteln im Fußball drehen sich hauptsächlich um eine Anzeige für den Torerfolg und den Fernsehbeweis. Im ersten Fall soll zweifelsfrei geklärt werden, ob der Ball hinter der Torlinie war, oder nicht. Diese Frage ließe sich über Torkameras lösen oder über einen Chip im Ball, der die Position des Spielgerätes jederzeit genau ermitteln kann. Bei einem Fernsehbeweis geht es darum das Spiel bei strittigen Situationen anzuhalten und mithilfe von Fernsehbildern zu klären, ob ein Regelverstoß vorlag, oder nicht.
Argumente gegen elektronische Hilfsmittel
Das Hauptargument gegen elektronische Hilfsmittel ist, dass Fußball von der Jugend bis zu den Profis unter gleichen Voraussetzungen gespielt wird. Würde man elektronische Hilfsmittel zulassen, könnten sich diese wahrscheinlich nur Profivereine leisten, während die Amateure sich weiter auf den Schiedsrichter verlassen müssten. Häufig wird erwähnt, dass der Schiedsrichter von diesen Hilfsmitteln bevormundet werden würde und in seiner Regelinterpretation eingeschränkt wird. Ebenso könnte vor allem der Fernsehbeweis dazu führen, dass durch entstehende Pausen das Spiel unnötig verlängert wird.
Was spricht für elektronische Hilfsmittel im Fußball?
Wie im oberen Teil erwähnt, argumentieren viele mit der Angst vor ungleichen Voraussetzungen für Amateur- und Profifußballer. Allerdings sind die Voraussetzungen von vornherein ungleich. Denn während im Profibereich mindestens vier Schiedsrichter auf und am Spielfeldrand agieren, entfallen in den kleineren Klassen oft sogar die Linienrichter. Hier herrscht also offensichtlich jetzt schon keine Gleichheit. Eine Gängelung des Schiedsrichters sollte in der Regel auch nicht stattfinden, da es bei den Hauptentscheidungen Tor oder kein Tor und Abseits oder kein Abseits keinen Ermessensspielraum für den Schiedsrichter gibt. Auch die langen Pausen könnten verhindert werden, indem jede Mannschaft nur eine beschränkte Anzahl an Protestmöglichkeiten bekommt.
Fazit: Woanders funktioniert es auch
In anderen Sportarten hat man bereits gute Erfahrungen mit elektronischen Hilfsmitteln gemacht und es erschließt sich nicht, warum das beim Fußball anders sein sollte. Beim American Football hat der Trainer die Möglichkeit Schiedsrichterentscheidungen anzufechten, und wenn er sich irrt, verliert er eine Auszeit. Die Überprüfung der Fernsehbilder erfolgt an einem Gerät, das direkt am Spielfeldrand steht, und dauert in der Regel nicht länger als eine Auswechslung beim Fußball. Auch beim Tennis wird inzwischen häufig das sogenannte Eagle Eye eingesetzt – eine Technik, mit der man beim Fußball beispielsweise das Abseits kontrollieren könnte. In all diesen Sportarten werden elektronische Hilfsmittel mit Erfolg eingesetzt, ohne das der Sport an Emotionen verloren hat, warum sollte es also nicht auch beim Fußball funktionieren?
Stefan Körber – Fotolia


